| Alte DOS-Schätze mit DOSBox wiederbeleben |
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| Artikel - Artikel 2010 | |||||||||||||||||||||||||||||||||
Spielwitz statt FPSWaren das noch Zeiten! Da bastelte man stundenlang an der config.sys und autoexcec.bat, nur um auf einem PC mit riesigen 4 MB RAM im unteren Speicherbereich, von dem nur 640 KByte verfügbar waren, so viel freizubekommen, dass sich das DOS-Spiel überhaupt laden ließ. Doch damit nicht genug: Je nach Spiel musste man mal den EMS-Speichertreiber laden oder halt nicht, die Konfiguration der Soundkarte umstellen und vieles mehr. Dies führte zu einer wahren „Bootdiskettenflut“ bei den frühen PC-Spielern der Dekade 1985 bis 1995. In Sachen Installation und Einrichtung ist dieses Gefummel heute kaum noch vorstellbar. DVD rein (damals gab es vornehmlich noch Disketten), Spiel installieren und los geht es. Was heute SecureROM, Steam und Co. als Kopierschutz darstellen, übernahmen früher Abfragen nach Wort X, Absatz Y auf Seite Z oder das Benennen von Piktogrammen anhand einer Drehscheibe, die dem Original beilag. Viele der alten Titel sehen heute war ziemlich blass aus. In Sachen Spielwitz und Unterhaltung sind die Oldies aber nicht zu unterschätzen. Wer jemals Pirates!, Populous, DungeonKeeper, Tie Fighter oder eines der vielen LucasArts-Adventures wie Day of Tentacle und Monkey Island (oder die Quest-Reihen von Sierra Entertainment) gespielt hat, kann sich deren Bann nicht so schnell entziehen. Probleme heutiger SystemeViele der Spiele von damals wurden noch auf Disketten verkauft. Die CD-ROM als Datenträger fand erst 1993 mit dem Erscheinen von Star Wars: Rebel Assault eine sprunghafte Verbreitung. Ein Diskettenlaufwerk findet sich dagegen in heutigen Rechner nur noch selten. Ein viel größeres Problem ist der notwendige DOS-Unterbau für die Spiele. Damals war auf den PCs meist MS-DOS installiert und darauf aufbauend später dann Windows 3.x und Windows 9x. Als Dateisystem kamen FAT16 oder FAT32 zum Einsatz. Der Anwender konnte daher immer ein DOS ohne Windows laden und auf die Spiele zugreifen, da auch DOS mit dem Dateisystem zurecht kam. Als einziges Problem blieben dann die für DOS notwendigen Treiber für Soundkarten, CDROM, Maus etc. Schon mit Windows NT wurden DOS-Programme problematisch, da das für die Emulation unter NT zuständige Sub-System keine direkten Hardwarezugriffe erlaubte. Seit Windows XP dürften die meisten DOS-Spiele aber nicht mehr funktionieren, da Windows XP auf der Plattform von Windows NT basiert und das 16-Bit-Subsystem eben keine vollwertige Emulation darstellt. Die Abkehr von alten Windows 9x-Zeiten war damit für viele auch der Abschied von DOS-Spielen. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, über ein Multiboot-System neben einem Windows XP ff. auch noch ein DOS zu betreiben. Dies setzt aber mehrere Dinge voraus: 1. Der Nutzer hat eine alte DOS-Lizenz. Ausweg: DOSBoxDas als OpenSource-Projekt kostenlose DOSBox löst alle oben beschriebenen Probleme auf elegante Weise. Im Gegensatz zu einem Virtualisierer wie VMWare oder Virtual PC virtualisiert DOSBox keinen PC, auf dem dann erst ein Betriebssystem (in diesem Fall DOS) installiert werden muss. Vielmehr emuliert DOSBox einen kompletten PC, der bereits DOS als Funktionalität inklusive aller Treiber für Video, Audio, Netzwerk und Eingabegeräte beinhaltet. Dies erspart die Installation und Einrichtung von DOS und hat darüber hinaus den Vorteil, dass keine Treiber den knappen „DOS-Speicher“ bis 640 KByte belegen. Wer nun bei DOSBox an reines DOS denkt, sollte vielleicht noch wissen, dass sich darin auch alte 16-Bit-Betriebssysteme wie das gute alte Windows 3.x installieren und betreiben lassen (siehe weiterführende Links). Installation und EinrichtungDOSBox gibt es neben der normalen Fassung auch in einer portablen Version, die aber nicht von den Herstellern selbst gepflegt wird und daher mitunter nicht den gleichen Versionsstand aufweist. Download von DOSBox über WinTotal Nach der Installation lässt sich DOSBox über die Verknüpfung starten und öffnet neben einem Status-Fenster noch das eigentliche DOS-Fenster.
Grundsätzlich ist die DOSBox nun zum Starten von Programmen und Spielen einsatzbereit. Nur wie kommen diese in die DOSBox? Im Idealfall legt man alle DOS-Spiele in einen gemeinsamen Hauptordner (z.B. g:\DOSGAMES). Dieser Ordner lässt sich über den Befehl mount C g:\DOSGAMES als Laufwerk C in die DOSBox einbinden.
Auch optische Datenträger (CD/DVD) können auf diesem Wege in die DOSBox eingebunden werden. Der Syntax müsste dann z.B. lauten: mount W V:\ -t cdrom, wobei W den Buchstaben des optischen Laufwerks in der DOSBox und V:\ den Buchstabe des Laufwerks auf dem Host-System darstellt.
Auch ISO-Abbilder können als virtuelles CD-ROM eingebunden werden. Der Syntax in diesem Fall lautet imgmount Y D:\DOSGAMES\pirates.iso –t iso, wobei Y den Pfad des virtuellen Laufwerks darstellt und dahinter beispielhaft der Pfad zu einer ISO angegeben wurde. Der Status der eingebundenen Laufwerke kann mit dem Befehl mount ohne weitere Parameter abgefragt werden.
Alle möglichen Parameter und Befehle finden sich auch in dem Wiki zu DOSBox. Die „alten“ Befehle von DOS zum Navigieren innerhalb der Verzeichnisstruktur, zum Anlegen von Dateien etc. finden sich mit dem Befehl help /all. Eine gute Ergänzung für DOS-Neulinge ist auch unser etwas älterer Artikel „Überleben am DOS-Prompt“. Wichtig sind der Laufwerkswechsel (Buchstabe und Doppelpunkt, gefolgt von Enter, z.B. C:); der Verzeichniswechsel cd ordnername für die darunterliegende Ebene bzw. cd .. für die darüber liegende Ebene. Mit dir wird der Inhalt eines Verzeichnisses angezeigt.
Start von SpielenBevor ein DOS-Spiel gestartet werden kann, muss es im Regelfall erst noch installiert und eingerichtet werden. Die alten DOS-Installer fragten früher die vorhandene Hardware ab und entpackten sich ggf. in ein eigenes Verzeichnis. In diesem Fall sollten Sie zur besseren Übersicht für das Spiel ein neues Verzeichnis (z.B. INST\SPIELENAME) wählen, um die Quelldaten und Installationsdaten zu trennen. Beachten Sie hierbei auch die Einschränkung von FAT auf 8 Zeichen für Datei- und Ordnernamen. Wenn diese länger sind, wird der Eintrag nach dem 6. Zeichen mit einer Tilde ~ gefolgt von der Nummer 1 (oder weiterer Nummer, wenn mehrere Ordner mit dem gleichen Namen beginnen) gekürzt. Die Tilde gibt man im Regelfall mit ALTGR und dem „Plus“ ein.
Mit dem Aufruf setup.exe oder install.exe wird meist die Einrichtung und/oder Installation des Spiels gestartet.
Je nach Spiel werden verschiedene Parameter der Hardware wie verwendete Grafik- oder Soundkarte abgefragt. DOSBox emuliert dabei in der Standardeinstellung die Soundblaster 16 von Creative Labs und als Grafikkarte den S3-Chipsatz Trio64 mit 2 MB RAM, welche über SVGA-Auflösung und VESA 2.0 verfügt. Das eigentliche Spiel lässt sich dann mit dem Aufruf der EXE- oder COM-Datei starten. Hierzu empfiehlt sich ein Blick mit DIR ins Programmverzeichnis.
Während der Emulation bietet DOSBox mehrere Shortcuts:
Anpassen der Config-DateienDOSBox lässt sich auf vielfältige Weise konfigurieren und den eigenen Wünschen anpassen. Die Einstellungen speichert DOSBox in einer Textdatei mit dem Namen dosbox.conf. Seit Version 0.73 nutzt DOSBox eine vorgegebene Konfiguration, welche sich mit dem Befehl config -writeconf dosbox.conf in eine Datei im Ordner „settings“ schreiben lässt. Der Aufbau der Datei ist sehr gut dokumentiert. Der Anwender kann hier die Emulation von Soundkarte, verwendeter Grafikkarte, Joystick, Netzwerk, Drucker etc. den eigenen Wünschen anpassen. Im Abschnitt „Render“ findet sich eine Spezialität von DOSBox: Alte DOS-Spiele nutzten wesentlich geringere Auflösungen und wirken bei Vergrößerung (Standard ist hier zweifache Vergrößerung) mitunter sehr verpixelt. Setzt man den Wert Scaler auf beispielsweise hq2x oder super2xsai, wirken die Spiele wesentlich schöner, da diese aufwändig hochskaliert werden. Im Abschnitt „CPU“ steht der Parameter „Core“ mit dem Wert Auto. Hierbei handelt es sich um die Art der Emulation. DOSBox kann ein Programm auf zwei Arten emulieren. Entweder wird jeder Befehl des DOS-Programms nacheinander abgearbeitet (normal) oder im dynamischen Modus (dynamic) in Echtzeit rekompiliert. Der dynamische Modus ist wesentlich schneller, sorgt bei manchen Spielen aber mitunter für Probleme. DOSBox wählt in der Standard-Einstellung „auto“ den Modus automatisch und meist richtig. Nur im Ausnahmefall ist hier vielleicht eine Anpassung notwendig. Die weiteren Möglichkeiten zur Anpassung etwa bei Netzwerk- und Joystickeinstellungen sind sowohl in der config-Datei als auch auf der Homepage im Wiki sehr gut dokumentiert.
Welche CONF-Datei geladen wurde, zeigt das Status-Fenster von DOSBox an.
HilfsprogrammeFür das Handling mit der DOSBox finden sich zahlreiche Hilfsprogramme im Netz, welche vor allem den Umgang mit den Konfigurationsdateien für verschiedene Spiele erleichtern. DOSBox Game Launcher
DOSShell
DOG
Mit D-Fend Reloaded steht ein weiterer Programmlauncher/eine weitere Verwaltungsoberfläche für DOSBox bereit. DOSBlaster http://sourceforge.net/projects/dosblaster/ dagegen erlaubt das Starten von DOS-Spielen über das Kontextmenü. SpielequellenWer nicht in Besitz von alten Klassikern ist, wird auf Flohmärkten und bei Online-Auktionshäusern sowie häufig auch auf speziellen Internet-Seiten fündig. Einige bieten die alten Spiele unter dem Pseudonym „Abandonware“ zum kostenlosen Download an. Dahinter steht die Annahme, dass es für die alten Titel keine Rechteinhaber mehr gibt und eine Verbreitung daher ohne Schädigung Dritter möglich und zulässig ist. Dem ist aber in vielen Fällen nicht so, da alte Titel zwar nicht mehr verbreitet, die Rechte an dem Spieldesign oder Namen aber mitunter zwischenzeitlich weiterverkauft wurden. Legale DOS-Spiele findet man dagegen z.B. bei ClassicDosGames.com, DotEmu.com oder GOG.com. Letztere Seite bietet namhafte Klassiker für eine geringe Gebühr zum Download an, wobei diese bereits DOSBox als Emulator fertig konfiguriert beinhalten. FazitDank DOSBox kann man alte Schätze mit etwas Handarbeit im vertretbaren Rahmen wieder zum Leben erwecken und sich mitunter an der Einfachheit eines überzeugenden Spielprinzips erfreuen. Beschäftigt man sich mit einigen dieser Perlen länger, sehen viele neuere Titel insgesamt "sehr alt" aus. Übrigens wird man so auch von Patchorgien, nervigen Kopierschutz-Rootkits und Treibertuning verschont, da die alten Spiele sich doch insgesamt sehr genügsam zeigen. Weiterführende LinksDOSBox und DOSBox Portable – Download über WinTotal Rubrik Emulatoren und Konsolentools mit allen Hilfsprogrammen auf WinTotal Windows 3.x in DOSBox installieren
PCDMicha, 06.05.2010
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